Was hat die sinnliche Erfahrung mit der Entdeckung des roten Faden unseres Lebens zu tun?
Haben Sie es bemerkt? Haben Sie schon angefangen zu lesen? Was macht Ihr Auge, wenn es sieht? Wie verwandelt sich ihre Sinneserfahrung in ihre eigene Kompetenz?
Selbst wenn Sie wüssten, wie es geht, es kommt darauf an, aus Ihren eigenen Erfahrungen Fähigkeiten zu entwickeln.
Wir verstehen uns als Potenzialentfalter, als Hebammen für Fähigkeiten, die Sie oft von sich selbst nicht kennen. Der Weg dahin führt über unsere Sinne.
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Ein kleines Stück Erde!
Ein kleines Stück Erde mache ich zu meinem Erlebnis, zu meiner Entdeckung, zu meiner Liebe. Ein kleines Stück Erde will ich bearbeiten, ein kleines Stück Erde will ich verstehen lernen, ein kleines Stück Erde will ich lernen zu verantworten.
„Zähme mich, sagte der Fuchs zu dem kleinen Prinzen.“ Was ist zähmen fragt der kleine Prinz. Sich etwas vertraut machen, antwortet der Fuchs. Später sagt dann der Fuchs noch.“ Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“ ( Antoine de Saint-Exupery: Der kleine Prinz )
Ein kleines Stück Erde zu verantworten, war mein Kindheitstraum und der Traum wurde Wirklichkeit.
In dem Jahr 1945, dem Jahr der endgültigen Zerstörung fand ich mein Schicksal.
In den Bombennächten von Dresden entstand mein Traum.
Ich versprach mir mit 13 Jahren: wenn du dies überlebst, musst du das Gegenteil von Zerstörung machen. Ein keines Stück Erde lieben lernen!
Und ich schuf einen Garten. Ich erlebte inmitten von Zerstörung und auch Hunger
und Verzweiflung die heilende Kraft dieses kleinen Stück Erde.
Und diese Erfahrung bestimmte mein ganzes Leben.
Die kleinen Stücke wurden größer, als ich Landwirt (auf dem Land) lernte. Doch die Liebe und die heilende Kraft der Erde blieben.
Als ich später als Mitarbeiter vom SOS Kinderdorf International nach Äthiopien, Somalia und später nach Kolumbien geschickt wurde, gelang es mir, meine Liebe
zu dem kleinen Stück Erde den Kindern dieser Welt zu vermitteln.
Ich konnte ihnen meine Liebe zu dem kleinen Stück Erde übertragen und so lernten sie die Eigenverantwortung für ihre kleine Welt.
Diese Übertragung von ökologischer Verantwortung ist die Grundlage von neuen Schulen, die aus Geistesgegenwart den zukünftigen Forderungen globaler Entwicklung entsprechen wollen.
Eugen Burnus Hitzacker am 18. Dezember 2011
Was ist das Erfahrungsfeld-Bauernhof?
»Es geht darum, die Existenznot der Menschen überwinden zu helfen, ihre Selbsthilfekräfte zu stärken und sie somit in die Lage zu versetzen, ihre Kinder zu ernähren und zu ihrer geistig-seelischen Entwicklung beizutragen.« (Karl Kübel)
Das Erfahrungsfeld Bauernhof (EFB) wird von einem kleinen, gemeinnützigen Verein getragen und will die Begegnung zwischen Landwirtschaft, Gärtnereien und Forstbetrieben (sprich der Urproduktion) und der Gesellschaft verstärken. Unsere Anlässe dazu waren:
- Die Feststellung, dass viele Schul- und Kinderbauernhöfe sehr stark nachgefragt werden und gerade in den Ballungszentren lange Wartezeiten haben.
- Die Suche nach neue Wegen in aktiven Verbraucher-Erzeuger-Dialog zu treten.
- Die Schwierigkeit für Landwirte eine Führung in der Erntezeit zu vereinbaren.
- Die Erfahrung, wie wenig wertschätzend diese Begegnung teils betrachtet wird.
- Der persönliche Bezug zur Urproduktion unserer Lebensmittel.
Entwickelt haben wir einen kleinen Ausbildungsgang von 4 Tagen für Landwirte, Lehrende, Erziehende oder Ehrenamtliche, die auf Höfen Führungen anbieten wollen und können. Dabei wird ein weiteres, uns sehr wichtiges Ziel verfolgt:
Es geht um die Weckung von “echten, tiefgreifenden Fragen”. Nicht die Antwort steht im Vordergrund, sondern die Chance, sich durch die eigene Wahrnehmung eines Betriebes mit seinen Fragen zu beschäftigen. Es geht um den persönlichen Berührungspunkt, der oft viel wichtigere eigene Fragen weckt. Wenden wir uns diesen wichtigeren Fragen mit echtem Interesse zu, haben wir eine viel nachhaltigere und länger währende Bindung.
In unserem Pilotprojekt in Mengerskirchen konnten wir dabei folgende Entdeckungen machen:
- Inklusion: Kinder mit Behinderungen wurden bei ihren Rundgängen als absolut unauffällig und gleichwertig anerkannt.
- Dogmenfreiheit: Es sind die Erwachsenen und Kinder, die sich intensiv fragen, welche Form der Landwirtschaft eigentlich die richtige ist. Und die Landwirte fangen durch die Begegnungen selbst an, umzudenken.
- Schnelle Umsetzbarkeit: Holger Fürnstall bereitete sich früher immer eine Stunde vorher auf die Führungen mit Schülern vor, räumte auf, überlegte sich genau, wie er seine Führung macht. Er bekam kein Geld dafür, konnte jedoch nicht nachweislich einen höheren Kundenzuwachs in seinem Laden feststellen. Seitdem er das EFB macht, ist er viel gelassener, zeigt, wie es wirklich ist und bearbeitet mit den Kindern die Fragen, die diese haben. Sein Kundenzuwachs ist gestiegen. Darüber hinaus auch das Vertrauen, wenn andere, außer ihm, auf seinem Hof EFB Führungen machen. Er kann dann weiter ernten und kommt nur mal kurz für ein Hallo vorbei.
- Netzwerkbildung: Weitere Beteiligte in der Region nutzen den Hof Fürnstall für Führungen, springen gegenseitig ein, wenn Anfragen von Schulklassen kommen. Sie stehen immer wieder mal im Austausch miteinander und schildern sich Führungssituationen.
- Übertragbarkeit: Eine sehr aktive Grundschullehrerin berichtete nach einem Jahr: Mit dem EFB wird sie auch im Unterricht viel gelassener. Das Vertrauen darein, dass die Kinder selbst lernen wollen ist enorm gestiegen. Und sie – und ihre manchmal ungläubigen Kollegen – sind immer wieder überrascht, wie gut die Kinder ihrer Klasse Lernleistungen und Anerkennung, Wertschätzung und Komplexität selbst in Angriff nehmen und meistern.
Das Erfahrungsfeld Bauernhof befindet sich weiterhin im Aufbau, ständig kommen Höfe und neue Erfahrungsfeld-Begleiter hinzu. So sind wir beispielsweise regelmäßig an der Uni Kassel-Witzenhausen im Rahmen der Umweltkommunikation tätig, die unsere Arbeit auch evaluiert.
Es sind Prospekte für Landwirtschaftliche Betriebe, Unternehmer, Schulen und Kindergärten entstanden. Unsere Homepage gibt aktuelle Auskunft und auf Facebook gibt es eine Seite, auf der immer wieder verschiedene Perspektiven aufgezeigt werden.
Unsere Ziele
- Fragen stellen: Alle unsere Aktivitäten dienen dem Wecken von Fragen. Wer eine Frage hat, ist von sich aus viel eher motiviert mitzumachen und zu gestalten, als derjenige, der dauernd Antworten bekommt.
- Sinne wecken: Die Basis der Arbeit beruht auch auf den Erkenntnissen von Hugo Kükelhaus: Wenn wir unsere Sinne nicht gebrauchen, verkümmern sie. Und die Hirnforschung belegt: Lernen wird durch den Gebrauch der Sinnesorgane in umfassender Weise erst möglich.
- Begegnung fördern: Die Anerkennung der Verschiedenheit von Menschen, ihren Fähigkeiten und ihren Ansichten, ohne zu werten – sorgt nicht nur für spannende Begegnungen, sondern auch zur Entdeckung meiner persönlichen Einzigartigkeit.
- Entscheidungskompetenz durch Transparenz und Begegnung fördern: In unserer Ausbildung gilt: Wer andere schlecht redet, fällt heraus! Es ist nicht unsere Art, für unsere Gäste zu entscheiden, was für sie richtig oder falsch ist. Wir können immer nur sagen, was für uns richtig oder falsch ist. Damit erfährt unser Gast, wie wir denken – muss sich jedoch selbst entscheiden, was für Ihn das Richtige ist.
- Vernetzung: Mit all diesen Entdeckungen, die uns selbst teilweise überrascht haben, wollen wir Höfe und Menschen, die Zeit und Lust haben, diese Arbeit voran zu treiben, vernetzen. Dazu benötigen wir auch finanzielle Mittel.
Bezogen auf das Zitat von Karl Kübel:
- Existenznot der Menschen überwinden: Die Vorurteile gegenüber Landwirten und Gärtnern oder auch den Städtern werden abgebaut. Es entsteht Beziehung und dadurch eine Linderung der Not.
- Helfen, ihre Selbsthilfekräfte zu stärken: Die Erkenntnis, dass ich selbst mit meinen Sinnen fähig bin, Neues zu entdecken, weckt Selbsthilfekräfte und Selbstheilungskräfte.
- Beitragen zur geistig-seelischen Entwicklung: Viele Menschen gehen wacher und aufmerksamer nach diesen Führungen nach Hause. Sowohl Erwachsene, als auch Kinder und Jugendliche finden ihre eigenen Zugänge und erfahren den Bauernhof oder die Gärtnerei oder Landschaft mit Ihren Sinnen. Sie entdecken in der geführten Auseinandersetzung mit der Umgebung sich selbst – mit viel Freude und Überraschungen. Das ermutigt.









